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30. Juni 2010 3 30 /06 /Juni /2010 17:13

 

 

„Am Anfang war das so, dass ein neuer Patch bedeutete: „Hier ist ein neuer 40-Spieler-Schlachtzug.“ Heutzutage heißt es mit der Eiskronenzitadelle: „Hier sind die neuen Dungeonbosse, hier ist der neue Schlachtzug, davon gibt es eine Version für 10 Spieler, eine für 10 Spieler ‚heroisch‘ und eine für 25 Spieler, und hier sind die ganzen neuen täglichen Quests, im letzten Patch hatten wir ein Schlachtfeld.“ Ein Patch bedeutet heute so viel mehr – es ist dreimal größer als die frühen Patches.“

 

Production Director J. Allen Brack, Blizzard

 

 

Quelle: Production Director J. Allen Brack berichtet in seinem Interview unter anderem über seine Anfänge bei Blizzard Entertainment während der Veröffentlichung von Ahn'Qiraj, wie das Team von World of Warcraft serviceorientierter wurde und die Gründe, die letztendlich zum Fall des Lichkönigs-Inhaltsupdates führten.

 

Zum Interview

 

 

Es ist nun mal so, dass viele WoW-Spieler so sehr verwöhnt zu sein scheinen und neuen Content schnellstmöglich „abarbeiten“ wollen. Heutige Content-Patches lesen sich mit ihren Inhalten beinahe wie kleine Erweiterungen, bereits mit Patch 2.4 wurde enorm vorgelegt: Eine neue 5er Instanz, ein neuer 10/25-Spieler Raid und gleich eine ganze Insel (Quel´Danas) mit (Tages-)Quests und Ruf-Fraktion nur um die wichtigsten Dinge zu nennen…

 

…wie es J. Allen Brack von Blizzard oben geschrieben hat, ein Patch ist heute viel gewaltiger als zu Classic. Wir dürfen nicht vergessen, dass mit dem Release von WoW noch viele Inhalte (z.B. die Battlegrounds) gefehlt haben und Blizzard entsprechend schnell nachgeschoben hat, so kamen in weniger als zwei Jahre viele Content-Patches heraus (waren es zwölf?) die Massenweise Inhalte geboten haben, alle zwei Monate neuen Content. Aber im Vergleich zu heute meistens „nur“ einen Raid oder vergleichbares.

 

Ist es also nicht auch Schuld des Entwicklers, die heutige Patches überladen mit Features an Inhalten und Funktionen? Die Community kritisiert (vielleicht sogar zu Recht) über keinen neuen Inhalt seit einem halben Jahr, als Patch 3.3 erschien. Hätte Blizzard den riesigen Patch absichtlich dritteln sollen um den Content zu strecken?

 

Ich kann ein Buch ja auch innerhalb von einem Tag durchlesen oder eben auch innerhalb von einem Monat. Beschwert sich jemand, dass das Buch so schnell durchgelesen wurde? Nein, der Leser hat selbst schuld (wenn ich es mal so schreiben darf) das er das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen hat. Und er muss nun ein Monat warten, um ein neues Buch kaufen zu können (wenn wir mal den Kaufpreis Buch ca. 10-15 € mit den Monatsgebühren eines MMOs ca. 13 € vergleichen)…

 

…keiner würde sagen, das Buch hätte viel mehr Content Seiten haben müssen…

 

Nein die Community gibt diesen „Schwarzen Peter“ an den Hersteller weiter, der Fehler liegt bei Blizzard. Geldgeilheit und Kapitalismus wird vorgeworfen (Blizzard entscheidet nicht mehr frei, sondern Activision bestimmt mit seinen Aktionären), auch hier mögen die Spieler in Teilen Recht haben, doch welches Unternehmen will kein Geld verdienen? Bei WoW stimmt dagegen die Qualität zumindest überwiegend (gemessen anhand des Erfolges und der Fachpresse) noch…

 

…und Blizzard hat, anders als oft behauptet wird, noch genügend Entscheidungsgewalt und wird nicht von Activision diktiert. Beispiel: Allein Blizzard ist dafür verantwortlich, dass Battlenet nichts kosten wird.

 

Unternehmen wollen Geld verdienen, ganz klar. Jeder von uns unterstützt in gewisser Weise Kapitalismus mit, indem er z.B. Handys von Nokia kauft oder dergleichen mehr. Blizzard verdient sehr viel Geld mit seinem Goldesel WoW und dessen enormer Vermarktung (Brettspiele, Bücher, Figuren, Itemshop, Sammelkarten ect.) das ist nur zu gewöhnlich und lässt sich auf alle Gewinn – und Börsenorientierter Unternehmen pauschalisieren (FC Bayern München hat ja auch einen Fanshop und das Clubmitglied muss dort bezahlen). Wir wissen auch, was passieren kann, wenn ein Unternehmen sich nicht auf neue Sektoren bewegt, letztendlich kommt dieser Gewinn nicht nur den Aktionären, sondern auch dem (langfristigen) Spiel zugute, da bin ich mir sicher.

 

Ich will nicht den Eindruck erwecken lassen, ich sei ein höriger "Fanboy" (auch wenn ich WoW mag, was ich immer gerne zugebe) und es gibt genug Dinge, die mich in und an diesem Spiel auch stören, worüber ich auch schon einiges geschrieben habe. Ich verabscheue den Kapitalismus oft genug, aber jeder weiß, um erfolgreich zu bleiben, muss auch investiert werden und das nicht unbedingt nur im „Kerngeschäft“. Marktführer zu werden ist nicht die größte Kunst, diesen Stellenwert zu halten (und sogar weiter auszubauen), dass ist das Schwierige. Und WoW schafft das schon über 5 Jahre…

 

 

Ich möchte gerne noch mal auf Erweiterungen von MMOs zurückkommen. Der Rictus rechnet uns hier (Lesetipp 1) vor, dass Cataclysm schließlich kein „echtes“ Addon sei:


TBC: 10 neue Stufen + 0 neue Klassen = 0,5 Add-ons.


WotLK: 10 neue Stufen + 1 neue Klasse = 0,75 Add-ons.


Cataclysm: 5 neue Stufen + 0 neue Klassen = 0,25 Add-ons.

 

Natürlich meint der gute Rictus das ganze ironisch und spielt auf Aussagen wie „Ein Addon ohne neue Klassen und nur 5 neue Stufen ist höchstens ein halbes Addon…“ an. Zählen wirklich nur Stufen und Klassen?

 

Mitnichten. Ein gutes Beispiel ist die erste Erweiterung für Age of Conan. Rise of the Godslayer kommt völlig ohne neue Klassen und Stufen daher, mit nur einer neuen Rasse, dafür mit interessanten Funktionen, u.a. weitere Charakterentwicklung für endstufige Spieler. Schlechtes Addon? Im Gegenteil, es wird bei Spielern und Fachpresse gefeiert.

 

 

Rictus schreibt außerdem:


„Was lernen wir daraus? Nix. Denn Qualität und Inhalt einer Erweiterung lassen sich dankenswerterweise nicht in eine simple Formel pressen. Und auch wenn das Hörensagen aus der aktuellen Cataclysm-Testphase durchaus Grund zur Besorgnis geben kann, so bleibt es im Endeffekt eben doch nur Hörensagen. Bis ich selbst meine Erfahrungen mit Cataclysm gemacht habe, enthalte ich mich jedenfalls der Schwarzmalerei, die derzeit scheinbar allenthalben ihre Runden dreht.

Ich habe zumindest immer noch Spass in WoW und wenn Blizzard es nicht total verkackt (New Game Enhancements, anyone?) wohl auch in Zukunft.“

 


Mit Cataclysm bekommen wir im Grunde ein WoW 2.0, ein grafisches Update, 3000 neue Quests* (davon etwa 1000 in den neuen Zonen bis Stufe 85, Questtechnisch also wie bei WotLK), zwei neue Völker (und endlich Gilneas), dass legendäre Grim Batol öffnet seine Pforten, ein neues (und auch ohne Gildentalente) komplexes Gildensystem, immerhin insgesamt 7 neue Gebiete (im Vergleich WotLK: 9, also auch nicht so der große Unterschied) und 5 Stufen (lt. Blizzard mit gleichem Questaufwand ähnlich lange zu spielen um max. Stufe zu erreichen), mit Tol Barad ein neues PvP-Gebiet (ähnlich 1000W) allerdings mit täglichen PvE-Quests ähnlich Quel`Danas und zwei neue PvP-Schlachtfelder u.v.m. warum muss Cataclysm nur auf Features wie der Pfad der Titanen begrenzt werden und allgemein die Erweiterung so schlecht geredet werden?

 

* Wollen wir uns mal eine Formel Anzahl Quests = richtige Erweiterung errechnen? Besteht Content nicht überwiegend aus Quests?

 

 

Lesetipp 2:

Ich möchte noch auf einen anderen Beitrag, diesmal des Bloggers Keng verweisen:


Dünnes Eis

 

Sein Beitrag ist lesenswert und emotional, keine Frage, und sicher hat er in vielen Teilen auch Recht, dennoch ist es hier auch wieder die oben angesprochene Schwarzmalerei (oder soll ich besser schreiben, (eigene?) Unzufriedenheit mit dem Spiel oder Enttäuschung über dessen Entwicklung?):


“Spaß ist, was Ihr draus macht” habt Ihr den Spielern konsequent abgewöhnt. Den Schuh müsst Ihr Euch anziehen. Jetzt den Spielern zu sagen, sie sollten auch mal ein bisschen kreativ sein, ist zu spät. Viel zu spät.“


Natürlich ist es nachvollziehbar, sich Gedanken und Sorgen zu machen, wie ein „Hobby“ und dessen Spieler sich entwickeln können, aber hey, es ist nur ein Spiel und trotz aller negativen „Werbung“ welche WoW und Cataclysm erfährt, könnte ich schmunzeln, Blizzard zwingt uns nicht, WoW zu spielen…

 

Ja, WoW hat sich verändert, aber vielleicht haben wir uns schon vorher verändert und Blizzard reagiert jetzt nur auf uns?

 

 

Ist dem oben aufgeführten Worten von Allan Brack nicht auch zu entnehmen, dass Blizzard gar nicht so schnell „hochwertigen“ Content für übereifrige Spieler bereitstellen kann? Haben die Hardcore-Spieler nicht in gewisser Weise selber Schuld, wenn sie jeden Tag mehrere Stunden spielen. Jeder Vergleich mit anderen MMOs wird hinken, WoW führt im PvE die Ebene Raid und Instanz an, einen Inhalt der den Spielern als das wichtigste Element in WoW ansehen. Und eben jetzt ist es an der Zeit, dass sich viele Spieler nach so langer Zeit WoW nach dem Sinn, ihren Sinn des Spielens fragen. Was soll den so genannten ambitionierten Spielern noch in WoW erwarten? Nein, es muss nicht immer Blizzard Schuld haben, das wäre wirklich zu einfach…

 

…ich hänge auch an WoW und es macht mir noch immer riesig Spaß, vielleicht weil ich nur wenig Zeit zum spielen habe, aber es ist eben nur ein Spiel. Ich bin bald 5 Jahre dabei, eine lange Zeit. Und ich habe noch lang nicht alles gesehen oder erreicht, was für mich in Frage kommt und ich schaffen möchte, egal ob aktueller WotLK-Content oder unterstufige Quests.

Mein Leben hat sich verändert in einigen Bereichen gravierend, ich habe andere Schwerpunkte (Familie, Haus) und WoW ist unwichtig dagegen. Sehr viele Spieler haben sich verändert und ihr Leben, vielleicht reagiert WoW nur auf uns?

 

Den einzigen Sinn, den die ich mir stelle ist, ob ich mir wohl wegen Cataclysm einen neuen Rechner kaufen muss??? 

 

Aber meckern und schwarzsehen müssen wir ja schließlich immer, das können wir am besten. Daher haben ja auch viele gesagt, „Deutschland bei der Fußball WM? Ach die Rasenkasper fliegen eh in der Vorrunde…“

 

 

Spaß ist immer, was wir draus machen!

 

 

Lesetipp 3

Ein weiterer Blogger, Calaelen, rechnet in seinem Beitrag


Dr.House – ich glaube es ist Lupus!


mit allerlei Faktoren einer Raidgilde und mit Blizzard ab und zieht eine persönliche WoW-Bilanz:


„Natürlich ist nicht alles schwarz/weiß in dieser (virtuellen) Welt. Ich hätte WoW nicht so lange und gerne gespielt, wenn es nicht soviel Spass gemacht und ich tolle Leute kennen gelernt hätte. Aber jeder hat einen Siedepunkt, wo es einfach überkocht…


Da ich mich inzwischen genau darin wieder finde, ziehe ich die Notbremse und steige aus!

WoW Casual Gaming?


Ich habe lange überlegt, ob ich einfach als Freizeit Spieler (Casual Gamer) weiter mache. WoW ist für mich aber raiden, wohlgemerkt auf sportlichem und konzentriertem Niveau.

Wie geht es weiter?


Ich ziehe mich definitiv aus dem aktiven Raiden zurück und werde eine WoW Pause einlegen. Der Kauf des Catacylsm Addons ist derzeit noch nicht geplant.“

 

 

Natürlich ist es immer schade, wenn Spieler aufhören, weil sie ihren Spaß an einer Sache verloren haben, ganz gleich ob es ein Spiel wie WoW ist oder ein anderes Hobby…

 

…aber das muss eben die Konsequenz sein, wenn man keinen Spaß mehr mit seinem Hobby hat. Die Faktoren sind immer ganz verschiedene, Calaelen zählt einige auf und jeder Leser muss sich seine eigenen Gedanken dazu machen.

 

Respekt jedenfalls, wer so lange auf einer solchen ambitionierten (und emotionalen) Ebene durchhält!

 

 

PS: Und er wird sich die Erweiterung doch kaufen…


 

Edit

Lesetipp 4 bei Ninjalooter:

WoW: „Früher war alles besser!“ – Von jammernden WoW-Zonis und Heldentaten

 

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Kommentare

Jens 09/28/2011 16:49



Lesetipp 4: Ganz aktuell hat sich Blogger Jarlskor mit dieser Thematik beschäftigt:


Was ändert sich,
Spieler oder Spiel?